Smart Home

Datenschutz

von Arne Wolff

Die Festtage sind vorüber und unter nicht wenigen Weihnachtsbäumen lagen sog. „Smart Home“-Geräte. Sie gesellen sich oft zu bereits im Haushalt befindlichen Komponenten und machen manche moderne Wohnung zu einem Computernetzwerk, für das die Berechnung einer Mondlandung keine besondere Herausforderung darstellen würde. Kein Bereich scheint sicher vor den Produktentwicklern der vernetzten Helfer. Es gibt aber auch gar zu viele Einsatzmöglichkeiten:

  • Beleuchtung (Helligkeit, Farbe, Dauer)
  • Heizung (Temperatursteuerung in Abhängigkeit von Tageszeit und Anwesenheit)
  • Kühlschrank (Temperatur, Inhaltskontrolle mittels Kamera)
  • Haustür (z.B. berührungsloses Öffnen mit einem Smartphone)
  • Saugroboter/Rasenmähroboter
  • Überwachung/Alarmanlage
  • … und nicht zu vergessen das weite Feld der Unterhaltungselektronik, zu dem hier auch mal Alexa, Cortana, Siri & Co. gezählt werden

Ohne Zweifel sind viele davon sinnvoll – je nach angelegten Kriterien und persönlichem Geschmack sogar alle, andererseits heißt „viele Einsatzmöglichkeiten“ aber auch „viele Ansatzpunkte zum Eindringen ins Netzwerk“, zumal die verwendeten Vernetzungstechnologien sehr vielfältig und untereinander nicht kompatibel sind und die Übertragung teilweise nicht einmal verschlüsselt erfolgt. Nach dem Motto „eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“ kann unter Umständen die unzureichend programmierte Gerätesoftware des Babyphons dazu führen, dass ein Hacker Ihr Radio auf allen Kanälen Volksmusik spielen lässt oder den intelligenten Stromzähler (Smart Meter) verstellt und in Folge Ihr Energielieferant zu hohe Verbrauchswerte abrechnet.

Während der klassische Hackerangriff eher ein IT-Thema ist, gibt es für den Datenschützer aber auch andere für andere Aspekte: Die Daten, die ein „smarter“ Stromverbraucher sammelt, um seine Aufgabe möglichst gut zu erledigen, können auch für andere Belange zweckentfremdet werden. Und Daten werden viele gesammelt:

  • Saugroboter zeichnen die zurückgelegten Wege auf und erstellen so einen Wohnungsgrundriss.
  • Smart Meter können anhand der Verbrauchsprofile einzelne Haushaltsgerätegruppen erkennen.
  • Smart-TVs haben oft eingebaute Kameras und Mikrofone.
  • Alarmanlagen registrieren das tägliche Kommen und Gehen der Hausbewohner (mal ganz abgesehen von evtl. angeschlossenen Überwachungskameras).
  • Sprachassistenten (Alexa, Siri, Cortana, …) haben ihre Mikrofon-Ohren ständig auf Empfang und kommunizieren ohnehin laufend mit den Rechenzentren des jeweiligen Herstellers.

Es werden also höchst sensible Daten aus ganz privaten Lebensbereichen erfasst, die durchaus monetarisierbar sind und mithin für die Hersteller interessant sein können. Die Versuchung ist groß, den Käufer z.B. durch geschickte Gestaltung des Installationsprozesses des Gerätes dazu zu bewegen, unbewusst sein Einverständnis für deren Nutzung zu geben – wer liest sich schon alles durch, was auf einem Bildschirm erscheint und angeklickt werden möchte…

Smart Home ist also nicht ohne Risiko. Jedoch muss niemand auf den Komfort eines automatisierten Zuhauses verzichten, man sollte aber ein paar Tipps beachten:

  • Setzen Sie sich mit dem Thema auseinander! Ein gut geplantes Smart Home ist nicht nur sicherer, sondern funktioniert auch besser!
  • Wägen Sie Nutzen und Risiken der Verwendung ab (optimalerweise vor der Anschaffung).
  • Achten Sie darauf, die Gerätesoftware aktuell zu halten – die weitaus meisten Hackerangriffe erfolgen auf bekannte und eigentlich geschlossene Schwachstellen.
  • Wenn Sie nach einiger Zeit feststellen, dass Sie ein bestimmtes Gerät nur sehr selten oder gar nicht benutzen, scheuen Sie sich nicht, es zu deaktivieren. Eine vergessene und damit nicht gepflegte Komponente kann genau die Schwachstelle sein, die ein Hacker sucht.
  • Ändern Sie die Passwörter, mit denen das Produkt ab Werk ausgestattet wurde. Viele Hersteller liefern alle baugleichen Geräte mit demselben Passwort aus, das in der Regel auch noch leicht im Internet zu finden ist.
  • Geben Sie im Zweifelsfall lieber etwas mehr Geld aus, wenn Sie dafür ein Gerät eines renommierten Herstellers bekommen. Ein hoher Preis garantiert zwar (leider) keine hohe Qualität, um ein Produkt aber sehr günstig anbieten zu können, muss der Hersteller Produktionskosten sparen und das geht am leichtesten bei der Software und deren Wartung. Und Wartung bedeutet, dass Schwachstellen gefunden und geschlossen werden.

Fazit

Smart Home kann die Wohn- und Lebensqualität erhöhen – wenn man es smart einsetzt!

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