Künstliche Intelligenz

Wenn KI zum Ausfallrisiko wird: Warum Unternehmen einen Plan B brauchen

Verfasst von:

Avatar
Torben Paradiek
Marketing Manager

Sie starten am Montagmorgen Ihren Rechner und möchten mit dem neuesten Modell Ihres KI-Tools Ihre Arbeit fortsetzen. Doch der Zugriff ist plötzlich nicht mehr möglich. Kein Hinweis, keine Vorwarnung, kein Datum für die Rückkehr.

 

Genau das ist am 12. Juni 2026 mit Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 von Anthropic passiert. Die US-Regierung ordnete an, den Zugang zu den beiden Modellen für ausländische Staatsangehörige zu sperren. Da sich diese Vorgabe kurzfristig technisch nicht zuverlässig umsetzen ließ, deaktivierte Anthropic den Zugang zunächst für alle Nutzerinnen und Nutzer. Ende Juni wurden die Exportbeschränkungen wieder aufgehoben. Knapp drei Wochen, in denen Unternehmen, die auf eines der Modelle gesetzt hatten, ihre Abläufe anpassen mussten.

Ein Szenario, das undenkbar klingt und das im Sommer 2026 Realität wurde.

Sie starten am Montagmorgen Ihren Rechner und möchten mit dem neuesten Modell Ihres KI-Tools Ihre Arbeit fortsetzen. Doch der Zugriff ist plötzlich nicht mehr möglich. Kein Hinweis, keine Vorwarnung, kein Datum für die Rückkehr.

Genau das ist am 12. Juni 2026 mit Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 von Anthropic passiert. Die US-Regierung ordnete an, den Zugang zu den beiden Modellen für ausländische Staatsangehörige zu sperren. Da sich diese Vorgabe kurzfristig technisch nicht zuverlässig umsetzen ließ, deaktivierte Anthropic den Zugang zunächst für alle Nutzerinnen und Nutzer. Ende Juni wurden die Exportbeschränkungen wieder aufgehoben. Knapp drei Wochen, in denen Unternehmen, die auf eines der Modelle gesetzt hatten, ihre Abläufe anpassen mussten.

Diese Frage bleibt: Was hätten Sie in dieser Zeit getan?

KI-Abhängigkeit ist real und wird unterschätzt

Viele Unternehmen haben KI-Tools inzwischen fest in ihre Arbeitsprozesse integriert: Texterstellung, Recherche, Datenauswertung, Kundenkommunikation. KI ist kein Experiment mehr, sondern Alltag – und das schafft Abhängigkeit.

Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Arbeitsprozesse wächst auch die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und Modellen. Fällt ein Dienst kurzfristig aus oder wird der Zugang eingeschränkt, können davon unmittelbar etablierte Prozesse betroffen sein. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig klären, welche Anwendungen geschäftskritisch sind und welche Alternativen im Ernstfall zur Verfügung stehen.

Eine operative Schwachstelle, die spätestens dann sichtbar wird, wenn ein zentraler KI-Dienst tatsächlich nicht mehr verfügbar ist.

Warum KI-Tools einfach verschwinden können

Die Gründe für einen plötzlichen Ausfall sind vielfältiger, als viele annehmen:

Regulatorische Entscheidungen: Exportkontrollen, Datenschutzvorgaben oder nationale Sicherheitsgesetze können dazu führen, dass ein Dienst oder Modell gesperrt wird – ohne Ankündigungsfrist. Der Fall Fable 5 und Mythos 5 zeigt, wie schnell externe Entscheidungen Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von KI-Modellen haben können.

Technische Ausfälle: Selbst große Anbieter erreichen keine hundertprozentige Verfügbarkeit. Infrastrukturprobleme können Dienste zeitweise lahmlegen.

Geschäftliche Entscheidungen: Anbieter können Produkte einstellen, Preismodelle ändern oder den Markt verlassen. Start-ups verschwinden. Konzerne restrukturieren.

Geopolitische Entwicklungen: Technologiepolitik zwischen Ländern und Wirtschaftsblöcken hat direkte Auswirkungen auf die operative Verfügbarkeit von KI-Diensten – unabhängig davon, ob ein Unternehmen selbst betroffen ist.

Was eine gute Fallback-Strategie enthält

Eine Fallback-Strategie für KI-Tools beginnt mit drei Fragen:

1. Welche Prozesse hängen von welchem KI-Tool ab?

Erstellen Sie eine Übersicht Ihrer genutzten Tools und der Aufgaben, die damit erledigt werden. So erkennen Sie sofort, welche Tools kritisch sind.

2. Welche Alternativen existieren?

Für jedes kritische Tool sollte mindestens eine Alternative bekannt und idealerweise bereits getestet sein. Das kann ein anderer Cloud-Anbieter oder eine selbstgehostete KI-Lösung auf eigener Infrastruktur sein. Selbstgehostete Modelle unterliegen weder Anbieter-Abschaltentscheidungen noch in gleicher Weise den Zugriffsbedingungen eines externen Cloud-Dienstes und bieten damit eine strukturell andere Risikokurve.

3. Wie lange könnten Sie ohne das Tool arbeiten?

Definieren Sie, ab welchem Ausfallzeitraum ein Tool als kritisch gilt, und leiten Sie daraus Prioritäten ab.

Ein oft übersehener Baustein: die KI-Richtlinie

Wer im Unternehmen KI einsetzt, ist ohnehin gefordert, zum Beispiel mit einer KI-Richtlinie interne Regeln zu etablieren. Eine gut aufgesetzte KI-Richtlinie dokumentiert bereits einen Großteil der hier genannten Anforderungen: wie KI-Tools zugelassen werden, wer Verantwortung trägt, wie mit Datenschutz und Compliance umgegangen wird und welche Prozesse an welches Tool gebunden sind. Wer diese Richtlinie hat, hat das Fundament für das Mitdenken einer Fallback-Strategie bereits gelegt.

Ergänzend empfiehlt es sich, Governance-Strukturen zu etablieren: Wer entscheidet im Ernstfall? Wer kommuniziert intern? Welche Daten liegen wo, und wer hat darauf Zugriff?

Was Sie jetzt tun können

Drei konkrete erste Schritte sind innerhalb einer Woche umsetzbar:

  • KI-Richtlinie prüfen oder erstellen: Ist eine interne KI-Richtlinie vorhanden? Falls nicht, ist das der erste und wichtigste Schritt. Die KI-Richtlinie schafft die Grundlage für alles Weitere.
  • Tool-Inventar anlegen: Welche KI-Tools nutzen Sie produktiv? Welche Prozesse hängen daran? Wo liegen Ihre Daten? Welche Dienstleisterabhängigkeiten gibt es?
  • Alternativen benennen: Für kritische Tools sind Alternativen wie Dienstleisterwechsel oder Self-Hosting zu dokumentieren.

Fazit

KI-Tools sind in vielen Unternehmen längst Teil des Arbeitsalltags. Gerade deshalb lohnt es sich, nicht erst über Alternativen nachzudenken, wenn ein wichtiges Modell plötzlich nicht mehr verfügbar ist. Der Fall Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 zeigt, dass externe Entscheidungen sehr kurzfristig Auswirkungen auf etablierte Arbeitsabläufe haben können.

Entscheidend ist deshalb nicht, jede denkbare Störung vorherzusehen. Unternehmen sollten vielmehr wissen, welche Prozesse von welchen Tools abhängen, welche Alternativen im Ernstfall zur Verfügung stehen und wer die notwendigen Entscheidungen trifft. So wird aus der Abhängigkeit von KI-Tools ein beherrschbares Risiko.

Sie möchten wissen, wie resilient Ihr Unternehmen beim Einsatz von KI aufgestellt ist? A&K begleitet Sie bei der Entwicklung einer praxistauglichen KI-Governance – von der KI-Richtlinie bis zur Fallback-Strategie. Sprechen Sie uns an.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an.

Erhalten Sie immer die neuesten und wichtigsten Informationen zum Thema Datenschutz, Informationssicherheit und IT-Sicherheit und Compliance.