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Digitale Souveränität in der Pflege: Wie Sie Abhängigkeiten erkennen und gezielt reduzieren

Verfasst von:

Levin Rühmann
Levin Rühmann
Berater für IT-Sicherheit und Datenschutz

Geopolitische Spannungen, regulatorische Anforderungen und die wachsende Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern erhöhen den Druck. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch NIS-2, Digitalisierungsgesetze und den Einsatz von KI.

 

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob, sondern wie souverän Ihre Organisation tatsächlich aufgestellt ist.

Was bedeutet digitale Souveränität konkret?

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit, die Kontrolle über Daten, Systeme und digitale Prozesse zu behalten – unabhängig von externen Anbietern oder politischen Rahmenbedingungen.

Dabei geht es nicht um vollständige Unabhängigkeit. Entscheidend ist vielmehr:

  • Transparenz über eingesetzte Systeme
  • Kontrolle über Datenflüsse
  • bewusster Umgang mit Abhängigkeiten
  • Fähigkeit, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben

Gerade im Gesundheitswesen betrifft das nicht nur IT-Systeme, sondern auch:

  • Kommunikationslösungen
  • Cloud-Dienste
  • Identitäts- und Zugriffsmanagement
  • sowie zunehmend KI-Anwendungen

Warum digitale Souveränität für Pflege und Gesundheit kritisch ist

Viele Organisationen im Gesundheitswesen nutzen heute zentrale Dienste internationaler Anbieter: von Cloud-Infrastrukturen bis hin zu Kommunikationsplattformen.

Das führt zu strukturellen Abhängigkeiten:

  • eingeschränkte Kontrolle über Datenzugriffe
  • begrenzte Einflussmöglichkeiten auf Weiterentwicklung und Betrieb
  • Risiken durch regulatorische Zugriffe außerhalb der EU
  • potenzielle Ausfälle oder Einschränkungen durch geopolitische Entwicklungen

Digitale Souveränität wird damit zur Frage der Versorgungssicherheit und Compliance.

Neue regulatorische Realität: Was sich verändert hat

Die Anforderungen an Organisationen sind deutlich konkreter geworden:

  • NIS-2 verpflichtet zu klaren Maßnahmen in Cybersicherheit und Governance
  • DigiG und GDNG schaffen verbindliche Rahmenbedingungen für Gesundheitsdaten
  • Telematikinfrastruktur und ePA werden zunehmend Teil der Versorgungspraxis

Das bedeutet:
Digitale Souveränität ist nicht mehr nur strategisch relevant, sondern operativ erforderlich.

Wo Sie konkret ansetzen können

Ein risikobasierter Ansatz ist entscheidend. Nicht alles muss verändert werden, aber die richtigen Dinge.

1. Kontrolle über Infrastruktur und Netzwerke stärken

  • Sicherheitskomponenten wie Firewalls, Monitoring oder VPN sollten so betrieben werden, dass keine unnötigen externen Abhängigkeiten entstehen.

2. Datenhosting bewusst gestalten

  • Hybride Modelle und europäische Hosting-Optionen können helfen, Kontrolle und Flexibilität zu kombinieren.

3. Kommunikationssysteme überprüfen

  • E-Mail, Messenger und Videokonferenzen sind zentrale Datenströme. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf:
  • Hosting
  • Zugriffsrechte
  • Anbieterabhängigkeiten

4. Open Source strategisch nutzen

  • Offene Technologien ermöglichen mehr Transparenz und reduzieren langfristige Bindungen an einzelne Anbieter.

5. KI-Systeme bewusst steuern

  • Mit wachsender Nutzung von KI wird es wichtiger, Transparenz über Datenverarbeitung und Systemeinsatz zu behalten.
  • mehr dazu: KI-Richtlinie

Der richtige Ansatz: Nicht alles, aber das Richtige

Digitale Souveränität bedeutet nicht, alles selbst zu betreiben.
Sondern:

Die kritischen Abhängigkeiten zu kennen und dort gezielt gegenzusteuern.

Ein strukturierter, risikobasierter Ansatz hilft dabei:

  • kritische Systeme identifizieren
  • Auswirkungen bewerten
  • priorisierte Maßnahmen ableiten

Fazit: Digitale Souveränität ist eine Managementaufgabe

Digitale Souveränität entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch systematische Entscheidungen.

Organisationen, die hier aktiv werden:

  • stärken ihre Resilienz
  • reduzieren Risiken
  • erfüllen regulatorische Anforderungen
  • schaffen langfristige Handlungsfähigkeit

Takeaways

  • Digitale Souveränität bedeutet Kontrolle, nicht vollständige Unabhängigkeit
  • Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern sind das zentrale Risiko
  • NIS-2 macht das Thema verbindlich und prüfbar
  • KI verstärkt die Anforderungen zusätzlich
  • Ein risikobasierter Ansatz ist der effizienteste Weg

FAQ

Was bedeutet digitale Souveränität für Pflegeeinrichtungen konkret?
Die Fähigkeit, jederzeit zu wissen, wo Daten liegen, wer Zugriff hat und wie Systeme betrieben werden – und im Notfall handlungsfähig zu bleiben.

Muss ich komplett auf europäische Anbieter umstellen?
Nein. Entscheidend ist nicht der Anbieter allein, sondern die Kontrolle über Daten, Zugriffe und Abhängigkeiten.

Welche Rolle spielt NIS-2 dabei?
NIS-2 verpflichtet Organisationen, Risiken systematisch zu bewerten und geeignete Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen.

Ist digitale Souveränität auch bei KI relevant?
Ja. Gerade bei KI-Systemen ist Transparenz über Datenverarbeitung und Systemverhalten entscheidend.

Wie souverän ist Ihre Organisation wirklich aufgestellt?

Viele Einrichtungen haben bereits erste Maßnahmen umgesetzt - oft jedoch ohne klare Gesamtstrategie.

Wir unterstützen Sie dabei,

  • Abhängigkeiten sichtbar zu machen
  • Risiken zu priorisieren
  • und konkrete, umsetzbare Schritte abzuleiten

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